"Mit Dose und Pinsel vom Ich zum Wir"
Evangelische Grundschule mit Hort Kavelstorf der Rostocker Stadtmission
Im Schulgebäude der Evangelischen Grundschule mit Hort Kavelstorf der Rostocker Stadtmission befindet sich eine große, bislang ungestaltete Wandfläche von 3,60 x 2,70 Metern. Diese Wand soll im Rahmen eines mehrtägigen künstlerischen Workshops zu einem sichtbaren Ausdruck der Schulgemeinschaft werden. Die Schule steht für Vielfalt, Toleranz, Kreativität und eine wertschätzende Lernkultur, die die Lebenswelten der Kinder ernst nimmt. Dieses Selbstverständnis soll sich in einem gemeinsamen Kunstwerk widerspiegeln, das aus vielen einzelnen Stimmen entsteht: einem Raster aus Leinwänden, von denen jede ein Selbstporträt trägt. Zusammengesetzt ergeben alle Leinwände ein großes Bild – ein Mosaik der Gemeinschaft.
Jedes Kind gestaltet ein Selbstporträt, das nicht nur das äußere Erscheinungsbild abbildet, sondern auch persönliche Elemente integriert: Interessen, Träume, kulturelle Bezüge, Lieblingsfarben, Tiere oder Pflanzen, Musikgeschmack und individuelle Symbole. Diese Vielfalt macht die Schulgemeinschaft aus und soll in der Gesamtheit sichtbar werden – ein Zusammenspiel unterschiedlicher Identitäten, die gemeinsam ein großes Ganzes formen.
Der Workshop beginnt mit einer spielerischen Phase des Kennenlernens. In dialogischen Übungen sammeln die Kinder Informationen voneinander: Welche Farben sprechen dich an? Welche Spiele, welcher Sport, welche Musik begleiten dich? Wenn du ein Tier wärst – welches und warum? Welche Pflanze passt zu dir? Diese Gespräche dienen als Grundlage für die späteren Porträts und schaffen ein Bewusstsein dafür, dass jede Perspektive wertvoll ist.
Bevor die Einzelporträts entstehen, gestaltet die gesamte Gruppe gemeinsam den Hintergrund: Alle Leinwände werden zu einem großen Quadrat zusammengelegt und mit Sprühdosen bunt besprüht. Die große Fläche kann zuvor für kreative Wettbewerbe oder gemeinsame Graffiti-Spiele genutzt werden, die Bewegung, Humor und experimentelles Arbeiten verbinden. Der farbige Hintergrund schafft ein verbindendes Element – er kann später übermalt oder teilweise sichtbar gelassen werden.
Am dritten Tag widmet sich die Gruppe der Porträtkunst: Zeichnen mit geschlossenen Augen, Partnerporträts und spielerische Linienübungen lockern den Einstieg. Ergänzend betrachten wir Porträts aus der Kunstgeschichte, um verschiedene Stile und Ausdrucksformen kennenzulernen. Die Kinder experimentieren mit Acrylfarben, Markern und Collagematerialien und entwickeln ein Gefühl für unterschiedliche Techniken.
Der vierte Tag gehört der Umsetzung der individuellen Selbstporträts. Jedes Kind entscheidet selbst, wie es sich darstellen möchte – realistisch, symbolisch oder völlig frei. Manche wählen klare Formen, andere arbeiten mit Tieren, Pflanzen oder abstrakten Farbräumen. Die Materialien – Sprühdosen, Acrylmarker, Acrylfarben und Malpappen – bieten vielfältige Möglichkeiten, persönliche Geschichten sichtbar zu machen.
Am letzten Tag werden alle Porträts zu einem großen Raster zusammengefügt und an der Wand der Schule arrangiert. In einer gemeinsamen Präsentation dürfen die Kinder über ihre Werke sprechen: Welche Elemente waren besonders wichtig? Warum taucht ein bestimmtes Symbol auf? Was bedeutet die gewählte Farbe? So entsteht ein Raum für Wertschätzung, Zuhören und gegenseitiges Verständnis.
Am Ende bleibt ein kraftvolles Wandbild im Schulgebäude der Evangelischen Grundschule mit Hort Kavelstorf – ein dauerhaft sichtbares Zeichen der Vielfalt, Kreativität und Gemeinschaft der Rostocker Stadtmission.