Gausmann, Kati

einen Schatten werfen

Der eigene Schatten ist faszinierend. Man kann ihn bewegen und zum Tanzen bringen, ihn groß und klein machen wie Alice im Wunderland, ihn im Schatten des anderen aufgehen lassen und vieles mehr – nur fangen kann man ihn nicht. Und kann man eigentlich über den eigenen Schatten springen?

Im Workshop ‚einen Schatten werfen’ experimentieren Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen der Ostseeschule Wismar spielerisch mit ihren Körperschatten. Einfache Körperbewegungen und -haltungen, alleine und in der Gruppe, sowie unterschiedlich positionierte Lichtquellen lassen verschiedene Schattenformen entstehen. Wir spielen mit diesem Potential und besprechen, was wir erfahren und sehen. Die Kinder erproben malerische, zeichnerische und einfache druckgrafische Möglichkeiten, die flüchtigen Schattenformen in unterschiedlichen Maßstäben auf Papier festzuhalten.

Im 1. Teil des Workshops (Tag 1 + 2) werden die entstehenden Schattenformen im Maßstab 1:1 auf Papier gebracht. Dabei gehen wir zunächst malerisch von der Fläche aus und erschließen uns dann die lineare Kontur. Nicht nur die Körperbewegung, die den Schatten formt, ist von Interesse, sondern auch die Bewegungen des Malens und Zeichnens. Was hinterläßt welche Spur? Wir probieren verschiedene Techniken und Mittel. Die Kinder experimentieren zunächst in kleinen Gruppen, wobei die Zusammensetzung durch Auslosung wechselt. Welche Formen kann ein einzelner Körper als Schatten entstehen lassen? Was für Formen entstehen, wenn mehrere Körper einen gemeinsamen Schatten werfen? Begleitend halte ich entstehende Schattenformen fotografisch fest.

Im 2. Teil des Workshops (Tag 3 + 4) wählen wir aus diesen Fotografien gemeinsam einzelne Schattenformen aus. Wir verkleinern diese Formen mit Hilfe eines Beamers und erstellen mittels einfachem Scherenschnitt kleinformatige Schablonen, mit denen wir weiter experimentieren. Diese Schablonen können gedruckt werden, als Bildelement oder Musterrapport verwendet, oder als Objekt räumlich entfaltet werden. Jedes Kind wird dabei unterstützt, der eigenen Intuition und Bildidee zu folgen, und geeignete Mittel und Techniken dafür zu erproben. Die malerischen und zeichnerischen Erfahrungen des ersten Workshopteils fließen in die individuelle Bildfindung ein.

Die Workshoptage werden strukturiert durch eine angeleitete Körperreise zu Beginn, um die eigene Körperwahrnehmung zu wecken, sowie durch Besprechungen vor der Mittagspause und am Ende jedes Tages. Wir tauschen uns aus über die gemachten Erfahrungen, die entstandenen Bilder und die zugrundeliegenden Ideen sowie die erprobten Mittel und Techniken. Ziel ist es, die Kinder zu ermutigen, beschreibend und wertfrei über ihr eigenes Wahrnehmen und Handeln und das der anderen zu sprechen.

Einen Schatten zu werfen, bezeugt die eigene Anwesenheit. Schatten festzuhalten und sichtbar zu machen, gibt dieser Anwesenheit fühlbar und sichtbar Gewicht. Am Ende des Workshops (Ende Tag 4 + Tag 5) balancieren wir die entstandenen visuellen Gewichte miteinander aus: Wir stellen gemeinsam eine Auswahl der Ergebnisse zusammen und finden zu einer spielerischen Präsentation.

Ostsee-Schule | Wismar

Bruno-Tesch-Straße 31, 23986 Wismar